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Unser Blitzlicht im September 2011

60 Jahre ERP-Siedlung in Wiesenfeld

Kurz nach dem II. Weltkrieg war die Wohnungsnot in Glinde extrem. Schon während des Krieges waren zahlreiche ausgebombte Hamburger in die Gemeinde gedrängt. Häuser, Wohnungen und Grundstücke mussten teils beschlagnahmt und zwangsbewirtschaftet werden. Nach Kriegsende verschärfte sich diese Situation dramatisch. Es kamen Flüchtlinge, Heimatvertriebene und Spätheimkehrer hinzu. Etwa die Hälfte der Bevölkerung von damals etwa 5.000 Personen waren Evakuierte und Vertriebene.

ERP-Siedlung in Wiesenfeld

Dem damaligen Bürgermeister Friedrich Brockmann gelang es in dieser Situation 1949/50, Mittel aus dem so genannten Marshall-Plan *) einzuwerben und dadurch ein großes Wohnungsbauprojekt nach Glinde zu holen. Auf den Fundamenten der ehemaligen Zwangsarbeiterbaracken in den Straßen Buchenweg, Holstenkamp, Eichloh, Knickrehm und Ellerholz errichtete die Neue Heimat damit 100 Wohnungen, die im Stil an britische Arbeitersiedlungen erinnern und als Vorläufer des sozialen Wohnungsbaus zu betrachten sind.

Diese Siedlung wurde zur Keimzelle des neuen Wiesenfeld. Im Laufe der Jahrzehnte wurden vielfach bei Mieterwechsel die beiden kleinen Wohnungen je Hauseinheit zu einer größeren zusammengelegt, so dass sie praktisch zu kostengünstigen Miet-Reihenhäusern wurden.
Um diesen Siedlungscharakter zu erhalten und die Mieter vor Luxussanierungen und den ggf. damit verbundenen erheblichen Mietpreissteigerungen zu schützen, hat die Stadt Glinde 1990/1994 einen Bebauungsplan zum Milieuschutz erlassen, als die Häuser an einen Privatanleger wechselten. Inzwischen haben zahlreiche Mieter "ihr" Haus selbst erwerben können, was dem äußeren Anblick der Siedlung gut getan hat.

Wir gratulieren der ERP-Siedlung und ihren Bewohnern!

*) Der Marshall-Plan, auch "ERP" (European Recovery Program = Europäisches Wiederaufbauprogramm) wurde nach dessen Initiator benannt, dem damaligen US-Außenminister George Marshall. Die USA stellten den bedürftigen Staaten Westeuropas zwischen 1948 und 1952 insgesamt mehr als 13 Milliarden Dollar zur Verfügung. Mit dieser Idee ließ sich die humanitäre Hilfe für infolge des Krieges Not leidende Menschen mit dem Zurückdrängen des Kommunismus und eigenen wirtschaftlichen Interessen der USA verbinden, nämlich wieder Kaufkraft in Europa für ihre Exporte zu schaffen.

Blitzlicht