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Unser Blitzlicht im November 2014

Gemeindevertretung beschließt die Einführung einer Lustbarkeitssteuer!

"Die Gemeindevertretung beschließt einstimmig:

Für die in der Gemeinde Glinde stattfindenden öffentlichen Lustbarkeiten sind an die Gemeindekasse nachstehende Steuern zu entrichten:

a) für die Veranstaltung einer Belustigung innerhalb der Polizeistunde 4 Mark
b) über die Polizeistunde hinaus 8 Mark ......"

Wenn Sie nun den Kopf über unsere Stadtvertretung schütteln, tun Sie ihr unrecht. Der Beschluss ist nämlich genau 120 Jahre alt und wurde in der ersten Sitzung einer gewählten Gemeindevertretung in Glinde am 26.11.1894 gefasst.

Zwar war bereits 1867 eine Landgemeinde-Verfassung erlassen worden, durch die den Gemeinden das Selbstverwaltungsrecht zugestanden wurde, aber in den kleinen Gemeinden traf zunächst die Gemeindeversammlung, die Zusammenkunft aller wahlberechtigten Bürger, die Entscheidungen. Diese Versammlung wurde vom Gemeindevorsteher (etwa: ehrenamtlicher Bürgermeister) geleitet. Er wurde ebenfalls von der Gemeindeversammlung gewählt.

Erst mit der Landgemeindeordnung von 1892 wurde festgelegt, dass in Gemeinden mit mehr als 40 Wahlberechtigten aus diesen eine Gemeindevertretung zu wählen sei. Für die Bürger galt damals ein "Drei-Klassen-Wahlrecht". Nach der Höhe der von ihnen gezahlten Steuern wurden sie einer von drei Klassen zugeteilt und wählten jeweils Gemeindevertreter für "ihre" Klasse.

Die letzte Glinder Gemeindeversammlung beschloss am 26.9.1894 die Einführung einer Gemeindevertretung, bestehend aus dem Gemeindevorsteher und 9 Gemeindevertretern, die am 26.11.1894 erstmals zusammentrat.

Unsere Gemeindevertretung, die seit 1979 Stadtvertretung heißt, könnte also in diesen Tagen ihr 120-jähriges Jubiläum begehen. Der Verein Stadtmarketing Glinde gratuliert herzlich!

Nachsatz:
Glinde hatte übrigens 1894 lediglich 314 Einwohner in 38 Wohngebäuden. Man lebte damals offensichtlich in wesentlich bescheideneren räumlichen Verhältnissen.

Blitzlicht