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Es war einmal...

Dat Glinder Leed von Ilse Schöning

1.) Kennt ji all dat lüttje Dörp in´t düütsche Land?
     Dat liggt gar nich so wiet weg von Hamborg´s Kant,
     wo de kole Oostwind över´n Stüben bruust,
     dat is miene Heimat, dor bin ik to Huus.


2.) Wo in´n Grund de ole Watermöhl noch geiht,
     wo de Glinner Aue quer dörch´t Dörp sik sleit,
     wo mang grööne Wischen d´Sassenwohld löppt ut,
     dor is miene Heimat, dor bin ik to Huus.


3.) Dor wo merrn in´t Dörp dat lütte Schlößchen steiht,
     wo op´n Hoff sogar de Sanitätshohn kreiht,
     wo in´n D-Zug-Tempo "Molli Pus" lang bruust,**
     dor is miene Heimat, dor bin ik to Huus.


4.) Wo de Keuh op´n Hoff nur Sanitätsmelk hebbt,
     wo de Heuner nur Sanitätseier leggt,
     wo een dorch de Lungen Sanitätsluft sust,
     dor is miene Heimat, dor bin ik to Huus.


5.) Wo de Felder alle sünd so scheun bestellt,
     wo een Wort von Tru und Gloven jümmers gellt,
     wo man gern noch snackt een echt plattdüütsch Wort -
     dat is unser Glinde, unser Heimatort.


Diese ersten 5 Strophen sind das ursprüngliche "Glinder Leed" und wurden etwa 1930 geschrieben.
**s. Fahrplan zur Eröffnung der Südstormanschen Kreisbahn: Hamburg - GLINDE - Trittau

(Fortsetzung etwa 1939 hinzugedichtet, nachdem neue Siedlungen entstanden waren)

6.) Ober mit den suutjen Törn hett uppgehört,
     und die Dörpgemächlichkeit is uppgestört,
     Krupp un Tüchamt stell´n ehr Filiolen hin,
     groote lange Hüüser mit veel Krims-Krams in.


7.) Ach, wie süht dat Glinn doch nu ganz anners ut,
     wat för Minschen gaht dor täglich rin un rut,
     Un de Dörpgemeenschap is to groot un wiet.
     Jeder hett sin Arbeit un keen Minsch hett Tied.


8.) Wo sünst woogt dat geele Korn to Sommerstied,
     steiht nu Huus mit Hoff un Gaarn in Reeg un Glied,
     neege smucke Straten loopt dor krüz un quer -
     un de olen Glinner find sik nich mehr dör.


9.) Allens mutt so sien, dat seht wi geern in.
     Doch to geern denkt wie noch an dat ole Glinn -
     Un denn packt de Wehmoot an uns lüttes Hart,
     dat is uns ool Glinn - uns leev Heimatdörp.

Für alle, die des Plattdeutschen nicht kundig sind, hier eine Übersetzung nach bestem Wissen und Gewissen. Wer einen Fehler findet, darf ihn behalten.

Das Glinder Lied
von Ilse Schöning

1.) Kennt ihr alle das kleine Dorf im deutschen Land?
     Das liegt gar nicht so weit weg von Hamburgs Kante,
     wo der kalte Ostwind über die Rodung braust,
     das ist meine Heimat, da bin ich zu Haus.


2.) Wo im Grund die alte Wassermühle noch geht,
     wo die Glinder Au quer durch`s Dorf sich schlängelt,
     wo zwischen grünen Wiesen der Sachsenwald läuft aus,
     dort ist meine Heimat - da bin ich zu Haus.


3.) Dort, wo mitten im Dorf das kleine Schlößchen steht,
     wo auf dem Hof der Sanitätshahn kräht,
     wo im D-Zug-Tempo "Molli Pus " ** längs braust,
     dort ist meine Heimat, da bin ich zu Haus.


4.) Wo die Kühe auf dem Hof nur Sanitätsmilch*** geben,
     wo die Hühner nur Sanitätseier legen,
     wo einem durch die Lunge nur "Sanitätsluft" saust,
     da ist meine Heimat, da bin ich zu Haus.


5.) Wo die Felder alle schön bestellt sind,
     wo immer noch das Wort von Treu und Glauben gilt,
     wo man gern noch spricht ein richtiges plattdeutsches Wort,
     das ist unser Glinde, unser Heimatort.


6.) Aber mit dem bedächtigen Abschnitt hat es aufgehört
     - und die dörfliche Ruhe ist gestört.
     Krupp und Zeugamt stellten ihre Filialen hin,
     große Häuser mit viel " Krims-Krams " drin.


7.) Ach, wie sieht unser Glinde jetzt ganz anders aus.
     Viele Menschen gehen täglich dort ein und aus
     - und die Dorfgemeinschaft ist zu groß und weit.
     Jeder hat seine Arbeit - kein Mensch hat mehr Zeit.


8.) Wo sonst das gelbe Korn im Sommer sich wiegt,
     stehen nun Häuser mit Hof und Garten in Reih´ und Glied.
     Neue, schöne Straßen verlaufen kreuz und quer,
     und die alten Glinder finden sich nicht mehr zurecht.


9.) Alles muss so sein, das sehen wir gern ein,
     doch zu gern denken wir an das alte Glinde zurück
     -und dann packt Wehmut unser kleines Herz.
     Das ist unser altes Glinde - unser liebes Heimatdorf.

** siehe beigefügten Fahrplan zur Eröffnung der Bahnverbindung zwischen Hamburg - GLINDE - Trittau (1907)
*** bezieht sich auf die Sanitätsmilch vom Gut Glinde, die bis weit nach Hamburg hinein verkauft wurde und u. a. auch auf den HAPAG - Dampfern den Passagieren und Seeleuten auf der ganzen Welt gereicht wurde.

Dieser erste Bahnbeamte in Glinde verfaßte den Text zum Plakat, das im Glinder
Gasthof hing. Er lautet:

Centralbahnhof der Zukunftsvillenstadt Glinde
Feierliche Eröffnung am 1 5. Dez. 1907
nachmittags Kinderbelustigung - abends Ball
Glinde - wichtiger Knotenpunkt der Stormarnschen Kreisbahn
Hamburg - Trittau - Mölln.
Alle fahrplanmäßigen Züge halten in Glinde, desgleichen verkehren
D-Züge mit und ohne Speisewagen. Luxuszüge mit Schlafwagen.
Wegen voraussichtlicher Überfüllung Vorherbestellung ratsam!
Direkte Verbindung Glinde - Osnabrück - Paris.
Ausgabe von Zeitkarten
Für Vereine bedeutende Ermäßigung:
bei 2 Kindern das 3. frei.
Öffentliche Fernsprechstelle.
Große luftige Wartesäle allen sanitären Ansprüchen genügend.
Reichhaltiges Buffet "ff." Getränke. auch alkoholfreie!
Verabreichung von Sanitäts- und aseptischer Milch,
gewonnen auf dem nur 3 Minuten entfernt liegenden Gut Glinde
Besitzer: Herr F. Rudorff.
Seit Jahresfrist Lieferant der Hamburg-Amerika Linie für Milch.
Wenn gewünscht. Versand nach allen außereuropäischen Ländern!
Besichtigung der Meierei sehr lohnend und gern gestattet.
Auf dem Bahnhofs-Auskunftsbureau für Fremde -
International unentgeltlicher Führer dort zu haben.
Alle bemerkenswerten Punkte sind darin verzeichnet.
Wegen ihrer großen Schönheit besonders hervorzuheben sind:
Alfred's: Ruh - Nachtigalleninsel etc.
Einen Lokalblick auf die überaus reizvolle Landschaft
gewährt der Glinder Turm. dessen Besichtigung jedermann
gegen 5 Pf. Zahlung erlaubt ist.
Darum geschwinde fahrt nach Glinde
mit dem ersten Extrazug!