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Es war einmal...

75 Jahre Schule Tannenweg

75 Jahre Schule Tannenweg Am 25. April 2014 besteht die Grundschule Tannenweg seit 75 Jahren. Die Geschichte der Schule, insbesondere während der ersten Jahre, ist auch ein Spiegel der bewegten Zeitgeschichte.
Anlässlich des Jubiläums lohnt es sich, einen Blick zurückzuwerfen und zu schauen, wie alles anfing.

Entwicklung des Schulwesens im 19. Jahrhundert

Bis zu den Jahren 1826/27 unterrichtete ein sogenannter "Schulhalter" die Kinder eines Dorfes nebenberuflich in seiner Wohnstube. Um 1800 bildeten jeweils die Kirchengemeinden, damals Kirchspiele genannt, einen Schuldistrikt. Die Kirchspielschule befand sich in der Regel am Kirchort. Geleitet wurde sie vom Kirchspiellehrer, der gleichzeitig das Amt des Küsters oder Organisten innehatte. Es war üblich, dass in den Außendörfern Nebenschulen eingerichtet wurden. Der Schulhalter durfte nicht ohne Zustimmung des Pastors eingestellt werden.

Anfang des 19. Jahrhunderts brachte die Einführung einer Schulordnung für die Herzogtümer Schleswig und Holstein eine Verbesserung des Schulwesens. Sie begründete die wirkliche Volksschule. Die Schulgeldfreiheit wurde eingeführt, die gesamte Dorfschaft hatte die Kosten zu übernehmen. Der Lehrerberuf wurde ein eigenständiger Beruf mit festen Einkünften, lebenslanger Anstellung und Ruhegehalt. Die berufliche Ausbildung und Prüfung der Lehrer wurde vorgeschrieben.

Die Schulpflicht wurde festgelegt, wenn auch die weitgehende Befreiung der "Hütekinder" für landwirtschaftliche Arbeiten während der Sommermonate einen regelmäßigen Unterricht erschwerte. Schulstube und Lehrerwohnung wurden getrennt.

In Glinde baute man in den Jahren 1826/27 die Schulkate am Oher Weg, die später zur Gaststätte "Lindenhof" wurde. Der Standort lag gegenüber dem Bürgerhaus, dort wo heute die beiden sechsgeschossigen Häuser stehen.

Im Jahre 1898 entstand ein neues Schulgebäude an der Ecke Möllner Landstraße/Mühlenstraße. Es gab nach wie vor nur eine Klasse. Unter dem Lehrer Karl Ahrens, der 1909 die Schule übernahm, wurde sie erst 1920 zweiklassig. Es musste ein weiterer Klassenraum angebaut werden. Im Jahre 1937 war die Schule schließlich vierklassig.

Die Entwicklung Glindes in den 30er Jahren

Mitte der dreißiger Jahre entstanden in Glinde die sogenannte "Kruppsiedlung" und das Heereszeugamt. In dem bis dahin beschaulichen Dorf stieg die Einwohnerzahl von 1933 bis 1939 um das Vierfache. Durch die sprunghafte Entwicklung der Bevölkerung wurde es in der Schule an der Möllner Landstraße zu eng. Das Jahr 1938 war aus schulischer Sicht bedeutend: Es stand ganz im Zeichen des Neubaus der achtklassigen Volksschule am Tannenweg, der jetzigen Grundschule.

Der damalige Bürgermeister Diesing und der Schulleiter Fahrenkrug versuchten, den geplanten Standort der neuen Schule am Rande der gerade entstandenen Kruppsiedlung zu verhindern und bemühten sich, das Gelände hinter der alten Schule im Ortskern als neues, zentrales Schulgelände ausgewiesen zu bekommen. Um jedoch eine weitere Verzögerung des Bauvorhabens zu verhindern, beugten sie sich den Anordnungen der vorgesetzten Dienststelle.

Am 10. März 1938 begann die Reinbeker Firma Schenkenberg und Puls mit den Ausschachtungsarbeiten, am 31. März 1938 fand die Grundsteinlegung statt und am 14. Juli 1938 wurde das Richtfest gefeiert.

Grundsteinlegung

Aber auch während der Bauphase stieg die Zahl der Bevölkerung weiter an. Im Mai 1938 betrug die Schülerzahl 220. Bis zur Fertigstellung des neuen Schulgebäudes wurden zwei behelfsmäßige Unterrichtsräume gemietet, um die unterrichtliche Betreuung aller Schüler zu ermöglichen. Bis Oktober 1938 stieg die Schülerzahl auf 282. Da nunmehr sieben Klassen gebildet werden mussten, wurde der Unterricht für zwei Klassen auf den Nachmittag verlegt.

Aufgrund der völligen Umstrukturierung Glindes durch die Errichtung zweier wehrwirtschaftlicher Betriebe gelangte man bereits 1938 zu der Erkenntnis, dass die im Bau befindliche achtklassige Volksschule nach Fertigstellung nicht mehr ausreichen würde. Man erwartete von Seiten des Kreisschulamtes einen Anstieg der Schülerzahl auf 600 und plante bereits zu diesem Zeitpunkt einen baldigen 2. Bauabschnitt.

Zunächst fand jedoch am 25. April 1939 die Einweihung der Volksschule mit Turnhalle und Hausmeisterwohnung statt. Im Einweihungsjahr hatte die Schule insgesamt 332 Schüler, die in 7 Klassen unterrichtet wurden. Das bedeutete, je nach Jahrgang, 35 bis 54 Schüler pro Klasse - in Räumen mit 46 bis 49 Quadratmetern.

Der Zweite Weltkrieg und die Nachkriegsjahre

Der Beginn des Zweiten Weltkriegs brachte auch für die neue Schule wesentliche Veränderungen mit sich: Schließung der Schule vom 1. - 13. September 1939, Beschlagnahme der unteren Etage für eine Flakkompanie, Schäden an der Schule und Zerstörung der Turnhalle durch eine Luftmine, Unterkunft für Besatzungstruppen und Flüchtlinge. Nach den Bombenangriffen auf die nahegelegene Hansestadt strömten 1943 zweieinhalbtausend heimatlos gewordener Hamburger nach Glinde. Das erschwerte den Unterricht der Schule erheblich.

Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches stellte die Schule den Unterricht ein und die zweite große Welle der Not traf Glinde: 2000 Ostflüchtlinge standen vor dem Nichts. Als am 1. November 1945 der Unterricht unter dem Schulleiter Tegthoff, der schon zuvor als Lehrer an der Schule gearbeitet hatte, wieder aufgenommen wurde, überstieg die Klassenfrequenz bei 1080 Schülern und 20 Klassen alle Statistiken und der schwerkranke Rektor stand vor einer schier unlösbaren Aufgabe. Die Schüler wurden damals in drei Schichten unterrichtet.

Noch lange hatte die Schule unter den Kriegsfolgen zu leiden. Die Schäden, die durch einen Bombenangriff 1944 entstanden, waren noch nicht beseitigt. In den Fenstern fehlte das Glas, sie waren mit Pappe oder Holz vernagelt, Lehr- und Unterrichtsmittel gab es so gut wie gar nicht, die Kinder schrieben auf Altpapier. Die Klassenräume konnten infolge der Brennstoffknappheit nicht beheizt werden und die Turnhalle war unbenutzbar. Durch den Mangel an Schuhzeug und wetterfester Kleidung war es den Kindern oft nicht möglich, den Unterricht zu besuchen. Zahlreiche und lange andauernde Versäumnisse waren keine Seltenheit. Auch die Anforderungen an die Lehrkräfte nahmen zu. Anfangs standen nur 7 bis 8 Lehrerinnen und Lehrer den stark wachsenden Schülerzahlen gegenüber. Trotz aller Widrigkeiten und Entbehrungen nahm die Schule im Mai/Juni 1946 geschlossen an der Kartoffelkäferbekämpfung teil. Der strenge Winter 46/47 stellte größte gesundheitliche Herausforderungen, nicht zuletzt für die Lehrkräfte, dar. Zu Hunger und Kälte kam noch der Kampf um Wohnraum. Die Schule lief ständig Gefahr, dass Lehrkräfte aus diesem Grund Glinde verließen. Primitive Mahlzeiten mussten im 12 qm großen Lehrerzimmer oder in der Schule untergebrachten Volksküche eingenommen werden, da den Lehrern anderweitig kein beheizter Raum zur Verfügung stand. Die Freizeit wurde größtenteils zur Holzbeschaffung genutzt und das Leben war ein Kampf um die bloße Existenz.

Nach dem Tod des Schulleiters Tegthoff im Jahre 1949 übernahm wieder Rektor Fahrenkrug die Leitung der Schule.

Zwar sanken durch Umsiedlung und Abwanderung von Flüchtlingen und durch die Rückkehr vieler Hamburger in ihre Stadt die Schülerzahlen wieder, trotzdem war es eine Leistung, dass Rektor Fahrenkrug es schaffte, immer noch 1065 Schüler, aufgeteilt in 24 Klassen, von 21 Lehrkräften unterrichtlich versorgen zu lassen. Durch die Schulspeisung, von den Amerikanern geliefert, die ab Juli 1946 durchgeführt wurde, war für das leibliche Wohl der Schüler gesorgt. Erst 1951 konnte der Unterricht wieder in vollem Umfang durchgeführt werden. Immer noch mussten 18 Klassen am Vormittag und am Nachmittag im Mehrschichtunterricht den Lehrstoff bewältigen. Auch dauerte es bis Ende 1951, dass die Instandsetzung der Turnhalle abgeschlossen war und wieder einen intensiven Turnunterricht, wie es damals hieß, möglich machte.

Entwicklung nach 1950

Nach der Währungsreform ging es jedoch auch mit dem Schulwesen schnell aufwärts. Die Schule am Tannenweg wurde 1954 um zwei neue Klassentrakte erweitert. Erst der Bau dieser beiden Pavillons mit 7 neuen Klassenräumen erlöste die Schüler endlich von dem leidigen Schichtunterricht.

Nach der Pensionierung von Rektor Fahrenkrug im Jahr 1961 übernahm Rektor Willi Ziems die Schulleitung. Zu dem Zeitpunkt bestand die Schule aus 768 Schülern in 22 Klassen und 19 Lehrkräften. Da für die 22 Klassen aber nur 15 Klassenräume zur Verfügung standen und man Mehrschichtunterricht vermeiden wollte, war vorübergehend eine Klasse im Konfirmandensaal der Kirche untergebracht, eine im Keller im Vorraum der Schulküche, eine in einem Bodenraum, eine im Lehrerzimmer, und es gab eine Wanderklasse. 1962 wurde die Schule endlich um zwei weitere Pavillons mit einem Klassentrakt und einem Fachklassentrakt mit Physik-, Musik- und Werkraum erweitert.

1965 wurde die Lehrschwimmhalle eingeweiht. 1971 entstand auf dem Schulgelände eine neue Turnhalle und ein weiterer Trakt, in den 1974 die damalige Förderschule einzog. Die besondere Förderung von Schülern mit Lernbehinderungen begann 1950 mit der Einrichtung einer sogenannten Hilfsschulklasse im alten Schulgebäude an der Möllner Landstraße. Ostern 1954 wurde für Glinde ein Hilfsschullehrer eingestellt und die Hilfsschule wurde von der Volksschule abgetrennt und eine selbständige Schulart. Dieser Beginn führte bis heute zur Entwicklung der überregionalen Förderzentren. Im Jahre 1989 wurde auch dieser fünfte Trakt frei, da die damalige Sonderschule nach Wiesenfeld zog.

Aus der ehemaligen Volksschule wurde Ende der 60er Jahren mit Einführung der Orientierungsstufe die Grund- und Hauptschule Glinde. Noch 1973 musste Schulleiter Ziems fast 900 Grund- und Hauptschüler in den Räumen der jetzigen Grundschule unterrichten lassen.

Mitte der 60er Jahre war aufgrund der städtebaulichen Entwicklung Glindes klar, dass die Volksschule Tannenweg, die mittlerweile die größte Schule Stormarns war, bald nicht mehr ausreichen würde und im Jahre 1967 wurde die Schule Wiesenfeld eingeweiht. Sie blieb in den ersten Jahren verwaltungsmäßig mit der Schule Tannenweg verbunden, als Stellvertreter des Schulleiters beider Schulen fungierte für die Wiesenfelder Schule Konrektor Christiansen.

Am 26. Juni 1976 zog die Hauptschule in das neu gebaute Schulzentrum. Seitdem ist die Schule Tannenweg eine selbständige Grundschule.

Die letzten 30 Jahre

Als Rektor Ziems 1980 in den Ruhestand verabschiedet wurde, übernahm die damalige Konrektorin Frau Pfarr kommissarisch die Leitung der Schule, bis ein neuer Schulleiter gefunden war. Frau Pfarr unterrichtete von 1948 bis 1986 am Tannenweg. Sie war die Seele der Schule, die allmorgendlich jede Kollegin und jeden Kollegen mit Handschlag begrüßte. Nach ihrer Verabschiedung in den Ruhestand hatte Frau Lodders die Stelle der Konrektorin inne. Von 1981 bis 1991 war Herr Moll Schulleiter. Auch nach seiner Pensionierung gab es eine Interimszeit, bis 1992 Herr Müller-Glewe bis zu seiner Pensionierung im Jahre 2000 die Belange der Schule vertrat. Wieder vergingen anderthalb Jahre, bis mit Frau Pallasch im Februar 2002 eine neue Schulleiterin gefunden war. Aber bereits nach fünf Jahren war die Stelle der Schulleitung wieder neu zu besetzen. Im August 2008 übernahm damals noch Frau Stolzenberg, heute Frau Walther, die Leitung der Schule. In den Zeiten, die jeweils vergingen, bis ein neuer Schulleiter oder eine Schulleiterin gefunden war, leitete Frau Lodders kommissarisch die Schule, immer unterstützt durch ihre Stellvertreterin Frau Jensen. Leider verstarben beide Kolleginnen noch während ihrer aktiven Zeit, Frau Jensen Ende 2007 und Frau Lodders ein Jahr später. Ebenso verlor die Schule auch noch während der Ausübung seines Berufes im Dezember 2011 ihren langjährigen Hausmeister Herrn Kehr.

Die Schule Tannenweg wurde in den letzten 15 Jahren kontinuierlich modernisiert und saniert, sowohl die Ausstattung als auch den Baubestand und den Schulhof betreffend.

Unsere Schule heute

Schule heute

Derzeit umfasst das großzügige Schulgelände mit seinen bunten Pavillons, dem Sportplatz und einem großen Schulhof mit vielen Spiel-
möglichkeiten zwei sanierte Sporthallen, ein Lehrschwimm-
becken, außerdem viele Fachräume. Den ca. 314 Schülern, die sich auf 15 Klassen verteilen, steht ein moderner Computerraum, ein großzügiger, heller Werkraum, eine Lesewerkstatt, eine modernisierte Schulküche und ein Musikraum zur Verfügung.

Im Jahre 2002 wurde auf dem Schulgelände der AWO-Hort eröffnet.

Bereits im Jahre 2000 wurden die "Betreuten Grundschulzeiten" unter der Leitung von Frau Mauritz, damals noch Frau Winkler, eingerichtet. Das pädagogische Konzept wurde 2005 um die "Insel" und 2010 um die Hausaufgabenbetreuung unter der Leitung von Herrn Meinke erweitert. Außerdem bietet Frau Mauritz seit Dezember 2003 jeden Dienstagvormittag ein Migrationsprojekt für Mütter an, die Probleme mit der deutschen Sprache haben oder Hilfe und Anregung im Alltag brauchen. Seit dem Jahre 2010 ist unsere Schule sogenanntes DaZ-Zentrum (Deutsch als Zielsprache), mit einer Klasse, in der Kinder, die kaum deutsch sprechen, intensiv auf die Eingliederung in die Regelklassen vorbereitet werden. Derzeit umfasst das Team der Grundschule Tannenweg 35 Beschäftigte inklusive Hausmeister, Sekretärin, Sozialpädagogen, Förderschullehrer und nicht zuletzt die Lehrkräfte.

Das aktive Schulleben ist vielfältig: regelmäßig werden Projekttage bzw. Literaturtage durchgeführt, die Schule beteiligt sich am Sozialen Tag, es gibt Schulfeste, Frühlingssingen, Faschingsfeste, den Tag der offenen Tür, Klassenfahrten, ökumenische Gottesdienste, verschiedene Arbeitsgemeinschaften und Sportfeste. Speziell für die 4. Klassen wird jedes Jahr eine Radfahrprüfung durchgeführt und der Verein "Dunkelziffer" veranstaltet jährlich ein Projekt gegen sexuellen Missbrauch. Obwohl es in der Vergangenheit immer schwierig war, regelmäßig einen Vorstand zu finden, freut sich die Schule, dass sie einen Schulverein hat, der z.B. regelmäßig die Sommerfeste organisiert. Der Schulverein ist nur ein Beispiel für die aktive und engagierte Elternmitarbeit, ohne die sich viele Veranstaltungen gar nicht durchführen ließen.

Und hier schließt sich der Kreis, denn die Organisation des großen Festes anlässlich des 75-jährigen Schuljubiläums wäre ohne die Unterstützung der Eltern gar nicht möglich. Ausgehend von dieser bewegten Schulgeschichte darf man gespannt sein, was die nächsten Jahre für die Grundschule Tannenweg bereithalten.

Gabi Angenendt