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Es war einmal...

Ein Windkraftwerk in Glinde?

Ein riesiges Windkraftwerk, weit größer als der Eiffelturm, wäre nach den Plänen des Ingenieurs Honnef beinahe in Glinde entstanden. Die damit verbundene Siedlungsplanung wurde dennoch realisiert, dann allerdings für das Heereszeugamt und die Kurbelwellenwerke Hamburg. So berichtete es jedenfallls der Zeitzeuge Carl Gruschka, seinerzeit Eigentümer des Mühlenteichgeländes, nach Unterlagen des Glinder Stadtarchivs. Lassen wir den Verfasser selbst zu Wort kommen:

"Im Jahre 1934 bahnte sich für das damalige Dorf Glinde mit seinen ca. 400 Einwohnern - wovon ca. 230 zum Gut Glinde gehörten -eine Wende an. Ich wurde telefonisch im Auftrage des damaligen Landrats des Kreises Stormarn mit dem Sitz in Wandsbek zu einer Rücksprache über eine beabsichtigte Arbeitsbeschaffungsmaßnahme im Glinder Mühlenteich gebeten.

Die Bürgermeister bzw. Gemeindevorsteher von Wandsbek, Billstedt, Reinbek und Glinde waren anwesend. In Glinde sollten 100 Arbeitslose im Glinder Mühlenteich mit dem Verladen von Schlamm, Unkraut usw. - nach Ablassen des Wassers - beschäftigt werden. Gleise, Loren und Schaufeln wurden vom Landratsamt gestellt. Alsbald wurden weitere 100 Arbeitslose eingesetzt und ich wurde gebeten RM 10.000.-- zur Verfügung zu stellen. In dieser Zeit kam Ing. Honnef aus Berlin zu mir, besichtigte Glinde und Umgebung und sagte :

"Auf der Anhöhe vor Stellau könnte mein Windkraftwerk mit einem Elektrizitätswerk und anschließender Industrie errichtet werden. Für die Beschäftigten können Wohnungen in Glinde gebaut werden."

Mit einigen Unterlagen über das Windkraftwerk hatte ich in Begleitung des Ing. Honnef und RA. Dr. Kromer mit dem Herrn. Landrat des Kreises Stormarn eine Besprechung gehabt, der anschließend. ein Gespräch mit dem Regierungspräsidenten hatte, und schließlich gelangten die Unterlagen "Windkraftwerk" zum Oberpräsidenten der damaligen Provinz Schleswig - Holsteins in Kiel. Es kam zur Gründung der Wald- u. Gartenvorort Glinde e.G.m.b.H., abgekürzt Wagavogli, welche die Aufgabe hatte, für den Raum Mühlenstraße von den im Osten gelegenen Gleisen der Kleinbahn und bis zum Papendieker Redder Bebauungspläne von den Architekten Höger und Meves aufzustellen. Der Landrat hat das Kreisbauamt angewiesen, die Höhenpläne für die Anfertigung der Bebauungspläne der Wagavogli zur Verfügung zu stellen. Der 1. Vorsitzende wurde ich, der 2. Vorsitzende RA Dr. Kromer. Im Aufsichtsrat waren Herr Dr. Wadel (Promonta ), der für die Erhaltung der Landschaft tätig wurde, der Gemeindevorsteher Karl Diesing, der die Interessen für die Gemeinde Glinde zu vertreten hatte, und schließlich die beiden Architekten Höger und Meves. Die Verhandlungen mit der Kreisverwaltung Stormarn verliefen zügig. Die Post erhielt ich vom Landratsamt im Doppelumschlag unter "Geheim".

Die Kosten für das Windkraftwerk waren auf 30 Millionen Reichsmark veranschlagt worden. Ein Geldangebot in dieser Höhe lag von jüdischen Auswanderern vor mit der Auflage, dass die Zinsen in Gulden auf eine Bank in Holland transferiert werden. _Aufgrund der devisenrechtlichen Vorschriften lehnte ich das Angebot ab, weil mir bekannt war, daß ab 30. Januar 1933 kein deutscher Eigentümer Reichsmarkbeträge in sein Eigentum ins Ausland transferieren durfte. Es wurde beschlossen, dass der 1. Vorsitzende mit dem für die Gesellschaft tätigen Notar, Justizrat Grotefend, die finanzielle Durchführung mit dem Oberpräsidenten durchsprechen sollte. Justizrat Grotefend hat daraufhin bei dem Oberpräsidenten um einen Termin für eine Finanzierungsgespräch des Windkraftwerkes gebeten und erhielt von der Kanzlei des Oberpräsidenten die Mitteilung, daß der Herr Oberpräsident sich z.Zt. auf einer Dienstreise befindet und ein Termin erst nach seiner Rückkehr mitgeteilt werden kann. Damit waren einige Mitglieder der Wagavogli nicht zufrieden und beschlossen mit dem 2.Vorsitzenden RA. Dr. Kromer zum Stellvertreter des Oberpräsidenten nach Kiel zu fahren. In aller Frühe kamen die Mitglieder der Wagavogli RA Dr. Kromer, Dr. Wedel, Gemeindevorsteher Diesing, Ing. Honnef und Architekt Meves in Kiel an und suchten das Oberpräsidium auf, um mit dem Stellvertreter des Herrn Oberpräsidenten über das der Gesellschaft vorliegende Geldangebot für den Bau des Windkraftwerkes zu sprechen. Der Stellvertreter hat meine Freunde gebeten, sich erstmal Kiel anzusehen und nach einer Stunde wiederzukommen. Nach Rückkehr in das Oberpräsidium wurden meine Mitarbeiter von dem Stellvertreter des Herrn Oberpräsidenten der Staatspolizei übergeben.

Auf Grund dieser Vorkommnisse hat die Wagavogli die Auflösung der Gesellschaft beschlossen und den 1. Vorsitzenden beauftragt, dem Herrn Oberpräsidenten einen Tatsachenbericht über die Behandlung einiger Mitglieder der Wagavogli durch seinen Stellvertreter zu erstatten.

Nach kurzer Zeit bin ich mit dem Herrn Justizrat Grotefend, der als Notar den Oberpräsidenten gut kannte, nach Kiel gefahren, um ihm die Auflösung der Gesellschaft auf Grund der Vorkommnisse durch seinen Stellvertreter mitzuteilen. Der Herr Oberpräsident bedauerte den Vorfall seines Stellvertreters und sagte weiter " Auf Grund der bestehenden Bebauungspläne werde ich in Glinde das Zeugamt und ein Industriewerk entstehen lassen, was auch geschehen ist."

Wagavogli = Abkürzung für "Wald- und Gartenvorort Glinde"