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Verschwisterung

Verschwisterung, Partnerschaft, Patenschaft, internationale Verständigung oder Europaarbeit, das sind Begriffe, die bei manchen Menschen leuchtende Augen hervorrufen, andere dazu bringen, verständnislos den Kopf zu schütteln. Wir versuchen hier eine kurze Erklärung.


Unter Verschwisterung verstehen die Aktiven die besondere Art der Partnerschaft zwischen deutschen und französischen Städten oder Gemeinden. "Schwesterstädte" dokumentieren schon in dieser Formulierung ein gewolltes enges und familiäres Verhältnis zu einander.
Über Jahrhunderte wurde den Menschen beider Nationen eingeredet, "Erbfeinde" zu sein. Erst im Jahr 1962 konnte durch Adenauer und de Gaulle ein Freundschaftsvertrag zwischen beiden Ländern geschlossen werden. Dieser Vertrag sollte die Aussöhnung zwischen Franzosen und Deutschen bewirken.


Seit 1962 wurden auf der Grundlage des deutsch-französischen Freundschaftsvertrages etwa 1.800 Partnerschaftsverträge zwischen Kommunen beider Staaten abgeschlossen. Der schon 1964 abgeschlossene Vertrag zwischen Glinde und Saint-Sébastien-sur-Loire gehörte zu den frühen Verschwisterungen und kann im Jahr 2004 bereits das 40-jährige Jubiläum begehen.


Mehr Infos auf den Seiten der Städte:
www.glinde.de und www.ville-saint-sebastien44.fr

Der Begriff der Partnerschaft wird für alle sonstigen bi-nationalen Städte- oder Gemeindepartnerschaften verwandt, bei denen die enge, freundschaftliche und gleichberechtigte Zusammenarbeit zweier Kommunen unterschiedlicher Nationalität im Zeichen eines friedlichen Miteinander der Staaten der Welt das Ziel ist.


Durch einen Partnerschaftsvertrag sind die Städte Glinde und Kaposvár (Ungarn) seit 1990 verbunden, nachdem sich zuvor bereits seit 1970 zwischen beiden Kommunen
ein reger Austausch auf kulturellem und sportlichem Gebiet entwickelt hatte.


Mehr Infos auf den Seiten der Städte:
www.glinde.de und www.kaposvar.hu


Eine Städte-Patenschaft liegt dagegen vor, wenn Ziel der Zusammenarbeit die Unterstützung der (in der Regel wirtschaftlich) schwächeren Seite ist. Eine solche Patenschaft, die auch von der Stadt Glinde unterstützt wird, besteht zum Beispiel zwischen St. Sébastien und Kati in Mali (Afrika).


Eine Besonderheit stellt der Trinationale Partnerschaftsvertrag dar, der 1998 zwischen Glinde, St. Sébastien und Kaposvár abgeschlossen wurde. Hier hat sich im Gegensatz zu den üblichen "Zweierbeziehungen" ganz freimütig eine "Ehe zu dritt" ergeben, weil man diese enge freundschaftliche Beziehung auch im Dreieck wollte. Alle drei Städte machen vieles gemeinsam.





Wenn sich die internationalen Aktivitäten einer Kommune innerhalb der europäischen Landkarte bewegen, spricht man auch von kommunaler Europaarbeit. Dies bezieht sich meist auf den geographischen Erdteil Europa, nicht lediglich auf die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union.


(Diese Unterscheidung mag vor etlichen Jahren noch Bedeutung gehabt haben, mit der Erweiterung der Union in großen Schritten gleichen sich jedoch die Sichtweisen auf Europa rasant an)

Die Ehrenbürger der deutsch-französischen Verschwisterung:


1975:
Prof. Dr. Wolfgang Bachofer, Arthur Christiansen, Karlheinz Friederici, Hans Meier, Georg Nordmann


1979:
Pierre Allard, Marguerite Beillevert, Monsieur Bernier, Lucien Duguy, Dr. Marcellin Verbe


1989:
Hans-Peter Busch, Charlotte Debbeler, Werner Goedecke, Kuno Hanke


1990:
Etiennette Babary, Jeannette Daniel, Yves Laurent, Pierre Roulleau, Yvette Thouzeau, Jean Viaud, Joseph Viaud


2006:
Edda Dienst (verst. 30.03.06) wurde posthum zur Ehrenbürgerin von St. Sebastien ernannt.


2009:
Joel Guerriau


2010:
Anne Plaud
Uwe Rehders



(Als bisher einzige deutscher Persönlichkeit wurde 1990 auch Arthur Christiansen für seine Verdienste um die Verschwisterung mit dem Ehrenbürgerrecht der Stadt Glinde ausgezeichnet.)


2011:
Jacques Charlot

Kommentiert:
Böse Zungen...

   ... (sogar manchmal böse Stadtvertreter/innen) sprechen bei den unterschiedlichen Facetten der Europaarbeit von Kommunaltourismus.
Damit soll kommuniziert werden, dass Funktionäre sich auf Kosten der Allgemeinheit gegenseitig besuchen und "urlaubsnahe" Zeiten erleben. Und dass man solche Dinge mangels richtiger Bedeutung gern einstellen könnte.


So wie man im ganzen Leben gelegentlich auf "schwarze Schafe" trifft, mag es auch unter den kommunalen Akteuren in Europa solche Fälle geben.
Tatsache ist jedoch, dass die internationalen Aktivitäten in Glinde nie Sache einer kleinen Gruppe Offizieller gewesen sind. Viele Vereine und Verbände, zahlreiche Familien, sogar teilweise schon über mehrere Generationen, haben ihre festen Partner in der jeweiligen Stadt.
Die Begegnung der Jugend, der Familien, der Menschen war den Verantwortlichen wichtig, weil nur ein breites Fundament von Freundschaft Gewähr für dauerhaften Frieden in Europa bieten kann.


Europaarbeit ist nicht einfach nur eine von vielen Aufgaben einer Stadt.
Europaarbeit ist eine politische, eine geistige und eine kulturelle Idee.
Und sie ist auch kein Relikt aus der Vergangenheit, deren 40-jähriges Jubiläum man mit Respekt begeht.


Wir können die Erfolge gern feiern, sollten aber den Blick auf die Zukunft richten.
Ein vereintes Europa entsteht noch nicht durch politische Verträge und eine gemeinsame Währung. Nur wenn sich die Menschen näher kommen, wenn sie sich als Europäer fühlen, wenn sich die Jugend versteht und enge Kontakte selbstverständlich werden, schaffen wir ein Europa, in dem es sich zu leben lohnt
und das seinen Beitrag für den Frieden in der Welt leistet.
Es bleibt noch viel zu tun!
(meint Hans-Peter Busch)

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